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Vorwort Keramikweg (2) |
Keramikweg 2
Ostenfelde und Münster 1973 - 1976
Meine anfängliche Begeisterung für großformatige Arbeiten in Stein weicht allmählich einer ernüchternden Realität. Das Material ist teuer und die Arbeitseinsatz immens, solche Arbeiten kosten entsprechende Summen und ich habe keine Idee wer sich soetwas zulegt. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie der untersten Schicht, die zudem noch kunstgeschmacklich sehr desorientiert einzuordnen ist. Entsprechend ist auch mein soziales Umfeld und mein Verhältnis zum Geld. Das heisst, da kann es keine Sympathieankäufe vom Geschäftsfreund des Vaters und keinen wohlwollend-unterstützend gemeinten Auftrag vom Golfclub geben. Seit dem Sommer wohnen Norbert und Renate, ein Künstlerpaar, in unserer Wohngemeinschaft auf dem Kotten. Renate lernt in der Töpferei Schäfer in Telgte und manchmal hole ich sie auf meinem Rückweg von Münster dort ab. Es ist ein kleiner alter Handwerksbetrieb in einem verwinkelten Bau, eine vielköpfige (11?) Familie, die sich neben wenigen handgedrehten Arbeiten, mit einem Brennservice für Schulen und hauptsächlichst durch Stanzen von Blumentöpfen über Wasser hält. Ich bekomme dort erste Einblicke in eine Töpferei, finde die Arbeiten allerdings kunstgeschmacklich veraltet und uninteressant. Einige Zeit später, das Studium dröppelt so vor sich hin....., finde ich auf dem Schulhof eine in ihre Einzelteile zerlegte alte ausrangierte Töpferscheibe. Sehr sperrig und mit einem grossen schweren Schwungrad für Fussantrieb. Nach einem Gespräch mit dem Dekan erstehe ich die Drehscheibe für einen Symbolpreis. Unserer Kotten-Wohngemeinschaft hat sich mittlerweile verändert. Norbert und Renate sind nach viel WG-Stress ausgezogen und mein Freund Hubert, mit dem ich schon während meines Praktikums an der Kirchenwand-Gestaltung arbeitete und nun viele Kurse gemeinsam belege wohnt jetzt bei uns.
Bild: 1975 Regal in der Töpferei Mittlerweile (September 1973) wird meine Tochter geboren und ich kann etwas zuverdientes Geld gut gebrauchen. Die Idee, an der Töpferscheibe kleine Arbeiten zu drehen, die wir dann auf den sich gerade in Deutschland etablierenden Flohmärkten verkaufen wollen, begeistert uns und treibt uns an. Autodidaktisch lernen wir beide sehr intensiv innerhalb kürzester Zeit das Zentrieren und Drehen und spornen uns gegenseitig zu immer neuen Formen an. Da wir keinen eigenen Brennofen haben lassen wir unsere ersten Arbeiten in Telgte glasieren und brennen. Natürlich ein Zustand, der auf die Dauer nicht zufriedenstellt........
Bild: 1976 auf dem Flohmarkt, Münster
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