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Jede grössere Kleinstadt oder mittlere Großstadt hat irgendeine Besonderheit, die sie von den vielen anderen Städten unterscheidet. Manchmal markant, manchmal weniger. Dabei gibt es sehr interessante Parallelen zwischen den Städten und den menschlichen Individuen: Bei beiden muß man separieren, was tatsächlich vorhanden ist oder nur dem Wunschdenken entsprungen. Also, ob jetzt Münster die Kulturhauptstadt Europas 2010 ist..., ich weiss es nicht.

Warum soll es gerade die Stadt Münster sein? Vielleicht sind wir gar nicht so besonders *grübel*, vielleicht sind wir nur größenwahnsinnig und gierig. Was bringt es auch Kulturhauptstadt zu sein..., - ich meine Dir und mir? Vielleicht wollen wir uns nur mangels Profil etwas profilieren - oder das Hirn will davon profitieren. Aber wer oder was ist eigentlich das Hirn der Stadt? Hilfe, ...und wer bin ich?

Also, Obersdorf hat die größte Skiflugschanze der Welt, Oberhausen das Gasometer und Duisburg meinetwegen die meisten Schornsteine, Münster schlicht die meisten Fahrräder (aber nur im Bundesgebiet, 60 km weiter in Holland sieht das ganz anders aus). Münster hat auch sehr viele Studenten, ich glaube mehr als 50.000, das heisst ungefähr: Vorsicht, jeder 5. auf der Strasse könnte ein Student sein. Das muss man sich mal vorstellen! Das beeinflusst natürlich die Infrastruktur und das tägliche Leben ungemein. In Siegen, Bochum, Wattenscheid, Saarbrücken und Ingolstadt ist morgens und zum Feierabend ordentlicher Berufsverkehr und (mit etwas Glück) hat man einen Beruf und eine Arbeitsstelle. Hier in Münster verzerrt sich das Bild etwas, der Berufsverkehr zieht sich in die Länge, das Wochenend-Feeling beginnt am Mittwochabend und man hat nur irgendeinen Job.
Man geht auch nicht abends in der Kneipe zum Relaxen oder um abzuspannen sondern man macht einen drauf, zeigt sich und was man so hat, nimmt am grossen Marktgetümmel teil, immer auf der Suche, so is das eben....

Dieses münstersche "Flair" zieht regelmäßig, besonders zum Wochenende tausende von Touristen in die Stadt. Die Altstadt wird bevorzugt vom Sightseeing-Touristen besucht (ruhig und betucht). Für den Marktbesuch, den Schaufensterbummel vom Prinzipalmarkt zum Kuhviertel, lekker Fisch in der Fischbrathalle und das abschliessende Bierchen bei Pinkus oder beim Stuhlmacher.

Am Abend sind dann ALLE im Hansaviertel! Das alte Stadtviertel mit dem ehemaligen Gewerbegebiet zieht sich von der Bahnhofsrückseite über den Hafen bis zur Halle Münsterland und entwickelt sich zur Schmuddelecke Münsters. Seit die Stadt den Kanalhafen zwar nicht saniert, aber öffentlich als neue Kultmeile proklamiert und für teures Geld trendig-innovative Kreative angeworben hat ist hier der Teufel los. Das ganze nennt sich jetzt Kreativkai. Was der Hafen noch mit Kreativität zu tun hat weiss niemand, schliesslich geht es hier ausschließlich um Geld. Ein Riesen-Kinokomplex, die Halle Münsterland, etliche Szene-Bars und Maritim-Restaurants locken rasende Fahrrad-Kolonnen durch die viel zu engen Bürgersteige. Dazu  Verkehrsstaus durch vollbesetzte Tuning-Cars aus Coesfeld, Warendorf, Steinfurt, sonstigen Landkreisen und dem Ruhrgebiet mit vibrierenden Heckscheiben im Rhythmus des Super-Woofer. Bronx is here.

Da die Bars nicht billig sind werden Drinks und Pizza mitgebracht und beim Flanieren oder bei romantischem Kerzenschein-Picknick auf der Kanalspundwand verzehrt. Aber wohin mit dem Müll? Irgendwer hat vergessen einige Container aufzustellen.

Am Eingang eines eingezäunten Gastro-Strand-Imitats werden tatsächlich die Taschen der Besucher nach mitgebrachten Getränken kontrolliert, - und die lassen das mit sich machen....

Noch zur Jahrtausendwende glitzerte es auf dem altehrwürdigen Kopfsteinpflaster und zwischen den Schienensträngen von plattgetretenen Bierdosen und auf dem Kanal dümpelten Pizzakartons, Lidl-Tüten und McDonalds-Packungen. Aber pünktlich zur Einführung des Dosenpfands hat sich die Situation drastisch verändert. Fast auf den Tag genau wurden die Dosen durch Flaschen bzw. Scherben ersetzt. Immer noch mangels Entsorgungsmöglichkeit werden jetzt die Partyaccessoires, wie Stilleben auf den Laderampen dekoriert oder auf dem Rückweg in Fahrradkörben und Blumenkästen entsorgt. Der Rest vom Winde verweht oder von torkelnden Spätheimkehrern zu Bruch gestossen. Für die morgendlichen Hundeausführer beginnt dann der Flaschen-Slalom.


     

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Hier zeigt sich auch was Stadtplaner so alles daneben geplant und nicht berücksichtigt haben: Da die neue Vergnügungsmeile Münsters intensiv durch die Stadt beworben wird verkümmert das Angebot in den übrigen Stadtteilen. Anwohner beklagen sich über Parkplatzmangel. Die Heerschar der Vergnügungslustigen vandaliert gefrustet auf Ihrem nächtlichen Heimweg durch das Hansaviertel und hinterlässt eine Spur von Müll, zertretenen Fahrrädern, zerkratzten Autos etc....

Ja! Wenn das Kultur ist dann....
Münster zur Kulturhauptstadt Europas 2010

Aber dieses Thema ist ja mittlerweile vom Tisch, Essen hat das Rennen gemacht, aber was soll's. Inzwischen wurde Münster als "Lebenswerteste Stadt der Welt" gekürt. Das ist eine andere Geschichte, aber mindestens genauso lächerlich.


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Münster 1.2.2006